Klimatope
Als Klimatope werden Bereiche bezeichnet, die hinsichtlich mikroklimatischer Faktoren einheitlich sind. Zur Vereinheitlichung und Klassifizierung hat der Verein Deutscher Ingenieure in VDI Richtlinie 3787 Blatt 1 insgesamt zehn Klimatope definiert, welche anhand des Versiegelungsgrades, der Bebauungsdichte, Gebäudehöhe, Oberflächenstruktur, Vegetationsart und des Reliefs bestimmt werden. Diese zehn Klassen umfassen:
1. | Gewässer-, Seenklima |
2. | Freilandklima |
3. | Waldklima |
4. | Klima innerstädtischer Grünflächen |
5. | Vorstadtklima |
6. | Stadtrandklima |
7. | Stadtklima |
8. | Innenstadtklima |
9. | Gewerbe-, Industrieklima (offen) |
10. | Gewerbe-, Industrieklima (dicht) |
Das RLP Landesamt für Umwelt stellt online Karten und Daten zum Download zur Verfügung, welche für weitere Analysen heruntergeladen und aufbereitet wurden. Neben den zehn vom VDI definierten Klimatopen wurden diese noch um Bahn- und Straßenverkehr erweitert.

(Klimatope im Landkreis Cochem-Zell)
Der Landkreis Cochem-Zell ist stark ländlich geprägt und mehr als 90 % seiner Fläche sind dem Freiland- und Waldklima zuzuordnen. Von den unterschiedlichen siedlungsbezogenen Klimata (Vorstadtklima, Stadtrandklima, Stadtklima und Innenstadtklima) macht das Stadtklima mit insgesamt 22,6 km2 die mit Abstand größte Fläche aus.
Klimatop | Fläche in km2 | Anteil an Gesamtfläche in % |
Gewässer-, Seenklima | 9,6 | 1,4 |
Freilandklima | 286,8 | 41,4 |
Waldklima | 347,7 | 50,2 |
Klima innerstädt. Grünflächen | 4,8 | 0,7 |
Vorstadtklima | 1,9 | 0,3 |
Stadtrandklima | 6,7 | 1 |
Stadtklima | 22,6 | 3,3 |
Innenstadtklima | 1,0 | 0,1 |
Gewerbe,- Industrieklima (offen) | 9,6 | 1,4 |
Gewerbe- Industrieklima (dicht) | 1,5 | 0,2 |
Bahnverkehr | 0,3 | 0,04 |
Straßenverkehr | 0,6 | 0,1 |
Trotz seiner ländlichen Prägung lassen sich im Landkreis Cochem-Zell auch Flächen identifizieren, die ein Stadtklima aufweisen und deren Bewohnerinnen und Bewohner besonders hitzeexponiert sind. Insgesamt sind 1,0 km2 des Landkreises als Innenstadtklima klassifiziert, welches in 43 der 89 Ortsgemeinden vorzufinden ist. Jedoch ist diese Fläche innerhalb des Landkreises stark ungleich verteilt: Während in den Verbandsgemeinden Ulmen und Kaisersesch nur 0,03 bzw. 0,09 km2 der Fläche als Innenstadtklima klassifiziert werden, sind es in den Verbandsgemeinden Cochem und Zell 0,55 bzw. 0,33 km2. Der Anteil der Flächen mit Innenstadtklima an der gesamten Siedlungsfläche schwankt ebenfalls stark: So sind in Cochem knapp 7 % der Siedlungsfläche als Innenstadtklima klassifiziert, während es in Kaisersesch nur 0,4 % sind.
VG | Anzahl OGs & Städten mit Innenstadtklima | Anteil OGs & Städten mit Innenstadtklima in % | Fläche von Innenstadtklima in km2 | Anteil des Innenstadtklimas an Siedlungsflächen in % |
Cochem | 21 | 91 | 0,55 | 6,8 |
Kaisersesch | 7 | 27 | 0,03 | 0,4 |
Ulmen | 3 | 19 | 0,09 | 1,1 |
Zell | 12 | 50 | 0,33 | 4,2 |
Im nächsten Schritt wurden die Daten zu den Klimatopen mit Zensusdaten verschnitten, um zu analysieren, wie hoch der Bevölkerungsanteil in den jeweiligen Klimatopen ist. Insgesamt leben 76 % (ca. 50.200 Personen) in Bereichen, die dem Stadtklima oder dem Innenstadtklima zuzuordnen sind. Zudem leben ca. 5.300 Menschen (9 %) in durch einem Freilandklima geprägten Gebiet.

(Anteil der Bevölkerung nach Wohnort je Klimatop)
Um zu analysieren, wie hoch der Einfluss der Klimatope auf die Hitzeexposition ist, wurden anhand eines beispielhaften heißen Tages weitere satellitenbildgestützte Analysen durchgeführt. Als Beispieltag wurde aufgrund der Temperatur, der Verfügbarkeit von Satellitenbildern und ihrer Qualität der 13.08.2024 ausgewählt.
An diesem Tag wurde an der Wetterstation in Zell eine Tageshöchsttemperatur von 34,1 °C gemessen. Die durchschnittliche Temperatur schwankte, je nach Klimatop, zwischen 26,1 und 31,1 °C. Erwartungsgemäß lag die Temperatur in Innenstadtklimatopen mit 31,1 °C am höchsten und überstieg die Temperatur in Gebieten mit Stadtklima (30,3 °C) um 0,8 °C. Personen, die in Gebieten mit Vorstadt- oder Freilandklima wohnen, waren an diesem Tag an ihrem Wohnort hingegen nur einer Temperatur von 28,2 bzw. 28,4 °C ausgesetzt.

(Anteil der Bevölkerung, der am 13.08.2024 heißen Temperaturen ausgesetzt war)
Somit zeigt sich unter Berücksichtigung der Bevölkerungsverteilung, dass am 13.08.2024 knapp 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner (65 %) Temperaturen von über 30 °C ausgesetzt waren, wovon ca. 5.500 Personen in Gebieten wohnen, in denen 32 °C überstiegen wurden.
Darüber hinaus stellt das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt weitere Karten und Daten zur Verfügung, die es ermöglichen, die Hitzeexposition im Verhältnis zur ausgewählten Gebietskörperschaft zu bewerten.

(ColdHotspots Landkreis im Landkreis Cochem-Zell)
Zur Planung und Umsetzung lokaler Maßnahmen im Zuständigkeitsbereich der Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden wird zunächst empfohlen, den Layer „ColdHotSpots Ortslage“ unter dem Reiter „Thermalkartierung Tag“ zu verwenden, da hierdurch eine Verzerrung der Daten aufgrund von bspw. Waldflächen verhindert wird. Zudem wird empfohlen, analog zur Erstellung der Karten für das Klimaanpassungskonzept auf Landkreisebene ebenfalls Karten zur Vulnerabilität zu erstellen, da Faktoren wie das Alter, die Eigentumsquote, Haushaltseinkommen oder Gebäudealter sowohl die Anfälligkeit als auch die Anpassungskapazität auf Haushaltsebene beeinflussen können. Kombiniert mit den Karten zur Exposition kann dies zu einer effektiven und präzisen Verortung von Maßnahmen beitragen. Für einen ersten Einblick wurden bereits durch den Landkreis hochauflösende Karten zur aktuellen Vulnerabilität, Exposition und Risiko erstellt, welche hier verfügbar sind.
