"Schwarmspeicher" und "Virtuelles Kraftwerk" bringen Schwung in die Energiewende

    Der Landkreis Cochem-Zell hat eine gute Ausgangssituation beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vor rund 80 Gästen präsentierten nun Landrat Schnur, Prof. Dr. Simon von der TSB Bingen und Dr. Hammerschmidt von der Firma innogy den Zwischenstand zu zwei Projekten im Landkreis. Die Projekte „Schwarmspeicher“ und „Virtuelles Kraftwerk“ haben zum Ziel, mehr des vor Ort produzierten Stroms auch vor Ort zu verbrauchen. Auf das Jahr betrachtet wird zwar 40 Prozent mehr Ökostrom im Landkreis produziert, als verbraucht wird, aber durch Schwankungen der Produktion Erneuerbarer Energien sowie des Strombedarfs, ist manchmal zu viel und manchmal zu wenig Ökostrom vorhanden. So kann der Strombedarf derzeit zu 66 Prozent mit Ökostrom aus dem Landkreis gedeckt werden. Diese Werte sind vergleichsweise gut, jedoch bleibt dabei viel Potenzial ungenutzt.

    „Der Schlüssel zu mehr Eigenverbrauch ist die Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch“, erklärt Prof. Simon bei der Vorstellung der innovativen Klimaschutzteilkonzepts, die er mit seinem Team im Auftrag des Landkreises erstellt hat. Flexibilisierung heißt, dass mehr Energie gespeichert wird, Lasten verschoben werden und dass Strom zunehmend auch für Wärme und Verkehr zum Einsatz kommt. Wärmepumpen im Haus oder Elektroautos sind Beispiele hierfür. Erzeuger und Verbraucher können in einem sogenannten Virtuellen Kraftwerk gesteuert werden und so dafür sorgen, dass mehr Ökostrom im Landkreis bleibt. Industrie und Gewerbe können dabei viel Geld sparen, aber auch Windenergie- und Solarstromanlagen, deren EEG-Förderung von 20 Jahren ausläuft, können in einem „Virtuellen Kraftwerk“ wirtschaftlich weiter betrieben werden.

    Dass auch die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren können, wenn Sie ihren selbst produzierten Solarstrom flexibilisieren, zeigt das Forschungsprojekt „Schwarmspeicher“ von der Firma innogy. In 30 Haushalten im Landkreis wurden ein großer Batteriespeicher und weitere Mess- und Kommunikationsgeräte installiert, wodurch deutlich mehr des eigenen Stroms selbst genutzt werden kann. „Die Installation ist nun bei allen Kunden abgeschlossen und somit  ist der Schwarmspeicher vollständig“, freut sich der Projektleiter Dr. Hammerschmidt. „Von Januar bis Mai dieses Jahres konnten bereits rund 18.000 Kilowattstunden des Solarstroms der Kunden zwischengespeichert und genutzt werden. Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von fünf Dreipersonenhaushalten“. Der Unterschied zu herkömmlichen Solarstromanlagen mit Speicher ist, dass die 30 Anlagen vernetzt sind und an den Energiemärkten teilnehmen, indem freie Kapazitäten der Speicher genutzt werden. Da die Monate April bis Juni sehr sonnig waren, konnte sogar schon eine Autarkie von über 90 Prozent erreicht werden. So musste kaum noch Strom aus dem öffentlichen Netz gekauft werden, wodurch im Durchschnitt monatlich etwa 30 Euro gespart werden. Das Forschungsprojekt läuft noch bis Ende 2019.

    Die fertige Studie zum Virtuellen Kraftwerk wird in Kürze hier veröffentlicht. Hier kann man erfahren, welche sechs Maßnahmen für die Umsetzung eines Virtuellen Kraftwerks identifiziert wurden und wie unterschiedliche Akteure für ein lastganggerechtes Verhalten belohnt werden können.

    Wie geht es weiter?

    „Um Vorreiter beim Klimaschutz zu bleiben und die ambitionierten Klimaschutzziele im Landkreis zu erreichen, möchten wir uns auch solchen innovativen Projekten stellen“, erklärt Landrat Schnur. „Mit der Umsetzung eines Virtuellen Kraftwerks können Energiekosten gespart und neue Geschäftsmodelle für die Unternehmen im Landkreis entwickelt werden. Daher soll es zeitnah in die Maßnahmenplanung gehen.“

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